Engagement bei der EUBB: Was Europa für mich bedeutet

Seit April 2015 bin ich im Vorstand der Europa Union Brandenburg (EUBB). Eine regional organisierte Nichtregierungsorganisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, für die Idee Europa (nicht für die Europäische Union!) zu werben. Diese Organisation ist regional (Brandenburg), bundesweit (Deutschland) und föderal (EU-Ebene) organisiert. Hier möchte ich kurz und knapp darlegen, was Europa für mich bedeutet, weswegen ich mich bei der EUBB engagiere und wie Europa in Zukunft ausschauen könnte.

Europa: Eine Frage der Herkunft?

Europa ist in erster Linie ein Projekt des Friedens. Was als rein sicherheitspolitische und wirtschaftliche Interessenakkumulation einzelner politischen Eliten Endes des Krieges seinen Lauf nahm, entwickelte sich über die Generationen zu einem Projekt, dass für sich beansprucht dauerhaften Frieden zu bringen – ohne Grenzen. Ich bin die späte 1980er Generation: Ich habe keine Mauer mehr miterlebt. Auch in meiner Heimatstadt Bocholt, direkt an der niederländischen Grenze gelegen, erfuhr ich nie, was Grenze heißt. Lediglich bei den Reisen in meine zweite, zerstörte Heimat, nach Serbien, lernte ich Grenzen kennen – und verabscheuen. Nationale Grenzen erfüllen den Zweck eine definierte Volksgruppe von einander abzugrenzen, und nicht zu schützen (schützen allenfalls die Macht einzelner (national)regionaler Machteliten). Europa, so wie es die Westeuropäer kennen, ist daher keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr muss man immer wieder darum kämpfen, nicht damit es so bleibt, sondern sich stetig weiterentwickelt. Ausgehend von der Prämisse, das nichts so sein muss, wie es ist und alles, von Werte bis Nationen gesellschaftliche Konstruktionen der Wirklichkeit darstellen, muss jede Generation sich immer wieder mit der Frage konfrontiert sehen: welches Leben will ich führen? Als was begreife und definiere ich mich?

Europa: Eine Frage der Identität

Für meinen Teil: Ich verstehe mich als Europäer mit deutschserbischer Prägung und Bocholter Herkunft. Mein Wertefundament ist so wie das eines Portugiesen oder Esten, eines Griechen oder Briten, eines Russen und Italieners: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Rechtsstaatlichkeit und christlich-jüdische Werte sind die Maxime unserer demokratisch verfassten Gesellschaftsordnung, unserer Wertegemeinschaft. Ich habe nahezu alle europäischen Staaten bereist, habe in mehren Mitgliedsstaaten gelebt und fühle mich als Europäer – nicht als Deutscher, nicht als Serbe. Ich kann natürlich nicht abstreiten, dass ich deutsch und serbisch denke, aber durchaus, dass ich europäisch fühle – und wenn man ganz genau nachfragt, woher ich komme und wonach ich mich letztendlich auch definiere: als einen Bocholter, weniger als Deutscher. Die nationalstaatliche Ebene zerfließt zwischen den Dimensionen der Regionen und der Globalisierung. Die Menschen orientieren sich wieder mehr nach ihren Regionen, dort wo sie leben. Die regionale Prägung in der Dynamik der Globalisierung zerreißt Nationalstaaten in ihre Bedeutungslosigkeit. Im Sturm der Globalisierung orientiert sich jedoch die Weltordnung wieder nach neuen Machtblöcken – und eines davon ist definitiv Europa. Für mich wird es daher, in einer undefinierten Zukunft, ein Europa der Regionen werden.

Europa: Eine Wertegemeinschaft.

Ich bestreite nicht, dass die Europawerdung in meiner Generation abgeschlossen sein wird. Es braucht seine Zeit. Es muss ein gemeinsamer Kommunikationsraum geschaffen werden. Es muss eine gemeinsame europäische Geschichtsschreibung konstruiert werden. Es muss ein einheitlichen Rechtsraum, samt Rechtsprechung und Rechtssicherheit für die Bürger geben (und nicht nur Nationen…). Es muss wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Angleichungen geben (die die regionalen Spezifika berücksichtigen). Und auch eine gemeinsame außen- und sicherheitspolitische Strategie – insbesondere was das Mittelmeer und die Flüchtlingspolitik angeht. Es muss eine gemeinsame Identität geschaffen werden, die sich loslöst vom nationalen Charakter und frei ist vom Dogma eines verblendeten Nationalpatriotismus. Es muss eine Identität sein, die sich auf den Werten Europas beruft: Europa ist keine Nation, Europa ist kein einheitliches Volk. Europa ist eine Wertegemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die sich durch die Werte die sie aktiv lebt, definiert und versteht. Das wird nochmal besonders unterstrichen, von der Institution EU, durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Nationen haben einen exklusiven Charakter – Wertevorstellungen nicht. Menschen sind lernende Wesen, Konstrukteure ihres eigenen Lebens, erschaffen Gesellschaften und deren Ordnungen. Menschen können sich von Werten überzeugen lassen – und andere überzeugen. Das ist der Grund, weswegen ich mich bei der Europa Union engagiere: regional, national und föderal.

Europa leben: Aktivität bei der EUBB

In erster Linie engagiere ich mich bei der Europa Union Brandenburg im regionalen Rahmen. Mir geht es nicht darum große Thesen und Konzepte im europaweiten Raum aufzustellen und zu diskutieren, sondern meine direkte Umwelt und Umgebung aktiv zu gestalten. Ich begreife Gestalten in diesem Sinne als eine Handlung Menschen mit der Idee von Europa vertraut zu machen. Dazu suche ich gerne den direkten Dialog mit den Mitmenschen, organisiere Aktionen und führe Projekte durch. Beispielsweise Gedankengänge in der Frankfurter/Oder Innenstadt oder Themenreihen zu europapolitischer Aktualität: Man muss die Menschen in Ihrer Lebenswirklichkeit abholen und nicht bloß die Hymne von Europa flöten. Es macht Freude den Menschen Europa näher zu bringen, mit Ihnen zu diskutieren und zu verstehen, was für sie Europa ist. Besonders in Frankfurt/Oder und Slubice, einer richtigen Europa-Stadt. Beide Städte der Oder verzahnen sich immer weiter. Sei es eine gemeinsame Wärmesicherheitspolitik oder gemeinsame Buslinie: Es wächst zusammen, mit kleinen Schritten. Jedoch ist das keine Selbstverständlichkeit. Auf beiden Seiten gibt es viele Skeptiker, die argwöhnisch auf das andere Oderufer blicken. Und das ist auch gut so – denn man muss sich ohne Zweifel auch kritisch mit Europa auseinander setzen.

Im Rahmen meines Engagement möchte ich den Menschen durch Veranstaltungen einen Raum geben, wo sich öffentlich zur Idee Europa ausgetauscht werden kann. Dabei unterstreiche ich, dass ich nicht als Botschafter er Europäischen Union, also der Institution EU, verstehe. Ich begreife mich als Botschafter der Idee von Europa, der Idee von einer Wertegemeinschaft. Von einem friedlichen Zusammenschluss der europäischen Regionen im Haus Europa.